Schröpfen ist eine uralte Reiztherapie und zählt zu den ausleitenden Therapieverfahren.
Sie gehört zu den wohl ältesten Behandlungsmethoden mit Apparaten überhaupt.
Es finden sich Darstellungen von Schröpfszenen bereits im griechischen und ägyptischen Altertum.
Auch im alten China war diese Methode bekannt.

Das Schröpfen wie auch andere ausleitende Verfahren, beruhen auf der humorallehre des Altertums.
Hippokrates war sicherlich der bekannteste Praktiker dieser Lehre.

Die Vorstellung die dahinter steckt ist, dass Krankheiten durch ein Ungleichgewicht an Körpersäften entstehen. Die schlechten Körpersäfte sollen mit dem Schröpfvorgang aus dem Gewebe ausgeleitet werden. Durch den Schröpfvorgang werden Reflexzonen der inneren Organe und der Wirbelsäule angesprochen. Diese Vorgänge sind auch der Schulmedizin bekannt.

Dieses Verfahren eignet sich besonders zur Vorbehandlung von chiropraktischen Eingriffen.

Vorteile des Schröpfens:

  • Schröpfen kann bei einer groß Zahl sehr unterschiedlicher Krankheitsbilder eingesetzt werden
  • Sowohl bei lokalen pathologischen Vorgängen z.B. innerhalb von Muskelfaszien, über Gelenken,
    als auch reflektorisch die physiotherapeutische Behandlung stärken

Man unterscheidet 3 verschiedene Arten von Schröpfen

Trockenes Schröpfen:

Fixes Aufsetzen von evakuierten Schröpfköpfen auf ein intaktes Hautareal vornehmlich am Rücken;
je nach Behandlungsidee auch auf rumpfferne Gebiete

Schröpfkopfmassage (Saugglockenmassage)

Manuelle Technik, bei der trocken aufgesetzte Schröpfköpfe über die vorher eingeölte Haut gezogen
werden. Hierbei wird ein evakuierter Schröpfkopf auf die vorher eingeölte Haut aufgesetzt und dann
über die zu behandelnde Fläche verschoben. Diese Art der Massage hat eine wesentlich höhere
durchblutungsfördernde Wirkung als die herkömmliche klassische Massagetherapie. Es kann auf dem
therapierten Körperabschnitt zu einem unterschiedlich stark ausgeprägten Extravasat kommen.

Blutiges Schröpfen:

Aufsetzen von evakuierten Schröpfgläsern auf vorher mit einem kleinen Skalpell/ Messer angeritzte
Haut, aus der Blut austritt. 5-200ml kann die geschröpfte Blutmenge betragen. Diese Form des
Schröpfens findet sowohl in der Physiotherapie als auch im Welness keine Anwendung (fällt unter das
Heilpraktikergesetzt)

Wirkung

Die Wirkung des Schröpfens kann auf zwei unterschiedliche Komponenten zurückgeführt werden:
Segementtherapie und Umstimmungstherapie: Regulierung gestörter Körperfunktionen sowie
Schmerz- und Krampfbekämpfung, Durchblutungsförderung und Entzündungshemmung.

  • Strukturveränderung beim Schröpfen wird intensiviert durch Bewegung
  • Ist man ein starker Raucher gibt es eine sehr starke Erstverschlimmerung, wegen dem
    Sauerstoffmangel entsteht eine schlechte Verarbeitung und die Flecke gehen nur ganz langsam weg
  • Schröpfen im Periodezeitraum; dann ist diese stärker, aber schneller weg
  • Lokale Durchblutungsanregung
  • Entgiftung
  • Schmerzreduktion
  • Verbesserung der Gewebsstruktur, der Nevernfunktion
  • Verbesserung der Durchblutung, des Stoffwechsels, der Zellinformation, der Organfunktion
  • Ableitung von Stoffwechselschlacken
  • Harmonisierung und Anregung der physiologischen Flüssigkeit im Unterhautzellgewebe
  • Verbesserung spastischer Durchblutungsstörungen
  • Anregung des Harnstoffwechsels
  • Aktivierung der Lymphzirkulation
  • Aktivierung des zentralen Nervensystems über Thermo-,Druck-, Schmerzrezeptoren der Haut
  • Großflächige Stimulierung der Dermatome bei Schröpfmassage
  • Förderung des Abtransports schmerzaktiver Stoffe
  • Normalisierung der Impulssetzung hyperaktiver Neuronen
  • Extravasate bewirken einen über Tage anhaltenden Resorptionsreiz im geschröpften Gewebe,
    pyroelektrische Dauerreize nehmen von der behandelten Stelle ihren Ausgang
    Leistungsvermehrung des vorher minderdurchbluteten stoffwechselarmen Gewebe
  • Selbstregulationsmechanismen in der behandelten Zone schafft ein Wiedereinsetzen von
    physiologischen Vorgängen in allen damit verbundenen Gebieten: Viszerotom primär, und
    zusätzlich nerval parallel geschaltetem Myotom, Osteotom, Angiotom, Neurotom
  • Verbesserung der behandelten Gewebestruktur, der Nervenfunktion, durch verbesserte
    Sauerstoff– Versorgung bessere Versorgung des lokalen Nervengewebe

Extravasate

Blaufärbung der Haut während einer Schröpfkopfmassage oder eines trockenen Schröpfens bzw.
auch nach einer Bindegewebsmassage. Aus brüchig gewordenen Kapillaren kommt es bei oben
erwähnten Techniken zum Austritt von Blutkörperchen ins Perivasculum = Zwischenzellgewebe ohne
Zerstörung von Kapillaren. Bei sehr starkem Sog können Kapillaren aufgrund der gestörten
Stoffwechselvorgänge auch reißen; die dadurch extravasal vorkommenden roten Blutkörperchen
stimulieren das Immun- und Zytokinsystem.

Wo wird geschröpft???

Es werden zwei grundsätzliche Gewebeszustände unterschieden I und II

  1. rote = heiße Gelose:

Eine mit angestautem Blut überladenen Zone im BiGewebe oder in Muskelbäuchen;
Ausdruck von Blutfülle

Yang-Stadium

sympatikotoner Zustand; akut d.h. meist entzündlich: Rötung, Überwärmung usw.
hier wird blutig geschröpft vom Arzt oder Heilpraktiker

  1. kalte oder blasse Gelose:

Blutarme Verhärtung im BiGeWe; vergleichbar mit den BiGewebszonen nach Dicke;

Zustand entspricht einer Blutleere / Energieleere;

Yin-Stadium

Durchblutungsdefizit: Sauerstoff- u. Nährstoffmangel; gemäß der Reflexzonenlehre spiegeln
sich in den blassen Gelosen zugeordnetem Gebiet identische Vorgänge ; chronischer Zustand;
der Patient erscheint eher erschöpft, antriebslos trockenes Schröpfen oder Schröpfkopfmassage
kommt zum Einsatz.

Indikatktionen

  • Um Narben herum, auf alte Narben darf man drauf behandeln
  • In Schwangerschaft auf dem Schulter Nacken Bereich ja,
    • kurz vor der Geburt ja um die Geburt voran zu treiben, jedoch kürzere Therapiezeit,
      weil Gewebe schneller aufweicht und schneller reagiert
  • für Blutdruckregulierung
  • Rest-Less-Leg-Syndrom
  • Tastbare Tonus-und Konsistenzveränderungen der Muskulatur
  • Hartspann und Myogelosen im Muskelverlauf
  • Verminderung der Verschieblichkeit der Hautschichten!!
  • Periphere Stauungen
  • Lokale Stoffwechselstörungen!!
  • Narben
  • Lähmungen
  • Funktionelle Darmstörungen
  • Chronische Schmerzzustände
  • Krankheitsbilder/ Symptome aus dem Bereich der „vegetativen Dystonie“

Kontraindikationen

  • Nicht im betroffenen Gebiet bei Brustkrebs
  • Verdacht auf Hämorrhagien (Blutverdünnende bzw. gerinnungshemmende Medikamente,
    Bluterkrankheit oder ähnliche Vorgänge, welche die Gerinnung des Blutes herabsetzen)
  • Offene Wunden aller Art z.B. Brandwunden
  • Frische OP – Nähte
  • Sonnenbrand
  • Erschöpften, lethargischen Patienten
  • Frauen in der Schwangerschaft vor der 16. SSW oder bei Abortgefahr/
    Frühgeburtsbestrebungen aus versicherungstechnischen Gründen
  • Schwangerschaft in den ersten 3 Monaten nicht im Kreuz
  • Tumorerkrankungen im betroffenen Gebiet; Leukämie

Im Allgemeinen zählen bei der Schröpfmassage sowie beim trockenen Schröpfen die
Kontraindikationen wie bei der klassischen Massage.